
Nos vamos a fer - Novi život
Liebe Leser,
das kroatische Blinden und Sehbehinderten Theater „Novi život“ aus Zagreb gastiert in Berlin und präsentiert dort die Vorstellung „Nos vamos a ver“. Mit dieser Vorstellung errang die Truppe beim 8. internationalen Theaterfestival „Zlatni lav – Goldener Löwe“ den Grand prix.
Am 12.11.2008 spielt die Truppe das Stück im Festsaal Saalbau-Neukölln in der Karl-Marx-Str. 141 in 12043 Berlinanläslich des Festivals Transvisuelle Dramatik.
Das Blinden und Sehbehinderten Theater in Zagreb ist das älteste Theater seiner Art auf der Welt und wurde im Jahr 1948 gegründet und konnte mittlerweile über 3.200 Vorstellungen mit über 100 Premieren abhalten. Hinzu kommen noch zahlreiche Auftritte an nationalen und internationalen Festspielen.
Hier noch eine Ausführliche Information welches direkt vom Theater zur Verfügung gestellt wurde und von uns unverändert übernommen wurde:
Das Blinden- und Sehbehindertentheater: „Neues Leben“ „Nos vamos a ver“
Premiere: 03.02.2007
- Autorenprojekt von Ksenija Zec
- Dramaturgie: Saša Božić
Ausführende: Dajana Biondić, Maja Marjančić, Anita Matković, Živko Anočić, Marijo Glibo, Vojin Perić
- Musik: Damir Šimunović
- Bühnenbild und Video: Igor Pauška
- Kostüme: Zdravka Ivandija
- Lichtgestaltung: Igor Pauška und Saša Božić
-Licht: Nenad Lalović
- Inspizientin: Ana Biondić
- Technik: Branko Ostojić
Diese Produktion ist mit dem Grand prix des 8. internationalen Kammertheater-Festivals „Zlatni lav“ („Der goldene Löwe“) in Umag (Kroatien) ausgezeichnet worden. Gezeigt wurde dieses Stück ebenfalls im Rahmen der 53. Sommerspiele in Split (Kroatien) sowie im Programm der 24. Zagreber Tanzwoche.
Nos vamos a ver
Das Projekt Nos vamos a ver faßt konzeptmäßig die vorliegende Aufführung als ein Tanzschrittystem der Schule für Gesellschaftstänze zusammen. Es handelt sich um eine dominante Ausprägung der bürgerlichen Kultur, die die Andersartigkeit gar nicht akzeptiert. Von den Grundsätzen der Tanzvorlagen ausgehend, überprüfen wir ironisch manche dominierenden Umgangsformen (Hochzeiten, Partys, Empfänge).
Als das Ausgangsmotiv wird das Problem des Alltags übernommen: das Problem seiner (Dis)Kontinuität, der Dauer und des (Un)Sinns. Danach werden die aufgearbeiteten Motive auf völlig veränderte körperBEZOGENE UND verbale Zusammenhänge verlagert; es sind dies Verzögerungen, Erinnerungen, Imaginationen und nicht zuletzt auch Lügen im Hinblick auf einzelne Ereignisse. Die Tanzschritte und die damit verbundene Erfahrung der Tanzschule sind erst einmal eine Art Sprungbrett für eine tiefgreifende Theatermeditation hinsichtlich der Andersartigkeit (Blindheit u. dgl.). und anderer Kämpfe, die wir täglich mit unseren eigenen Vorurteilen führen, wenn es darum geht, in der Welt der globalen Mikrogewalt vorwärts zu kommen…Die Deplaciertheit räumlich-zeitlicher Koordinaten verursacht isolierte Fragmente der Aufführung.
Ksenija Zec diplomierte 1982 an der Schule für Ballett und Rhythmik in Zagreb. Seither ist sie als Choreographin und Autorin zahlreicher Tanzvorstellungsprojekte sowie als Mitarbeiterin für szenische Bewegung in Schauspielproduktionen kontinuierlich tätig. Sie unterrichtet an der Akademie der darstellenden Kunst an der Universität Zagreb. In der Zeit von 1993 bis 1996 unterichtete sie im Rahmen des dislozierten Schauspielerstudiums in Osijek. Mit ehemaligen Schauspielstudierenden aus Osijek gründet sie die Unabhängige Künstlerszene Barutana (2000). Besonders interessant ist ihre Zusammenarbeit mit dem Blinden- und Sehbehindertentheater „Neues Leben“ in Zagreb mit dem spezifischen Workshop für Tanz und szenische Bewegung, aber auch die Zusammenarbeit mit dem Zagreber Theater Exit, in welchem sie als Regisseurin der Vorstellung „Westbahnhof“ großen Erfolg hatte. Für die Choreographie Isto (= Das Gliche) in der Produktion des Zagreber Tanzensembles wurde sie mit dem Sonderpreis der Zagreber Schaupspielszene für das Jahr 2005 ausgezeichnet.
Das Blinden- und Sehbehindertentheater „Neues Leben“
Nach großen Erfolgen mit dem König Ubu von Jarry sowie mit Texten von David Ives wendet sich das Blinden- und Sehbehindertentheater „Neues Leben“ dem Tanz zu. Wir verfolgen also neue Bestimmungslinien szenischer Erfahrung und gehen dabei von ähnlichen Voraussetzungen aus, die uns bei der Erforschung der szenischen Bewegung für unsere Produktionen Nullen und Nichtigkeiten und König Gorgodan bewußt gemacht wurden. Durchbrüche sind auch in solchen Sphären möglich, die von Vorurteilen und Verschwiegenheiten hinsichtlich des Körpers geprägt sind. Durch die Vorstellung Nos vamos a ver sließen wir uns für die Projekte auf, die die Leiblichkeit, die ich- und tanzbezogene Anwesenheit des Schauspielers, die (Un)Vollkommenheit des menschlichen Körpers erforschen. Trotz der offenen Form rechnen wir doch mit der Rolle der unmittelbaren sozialen Realität, stets im Kampf gegen stereotype Vorstellungen, durch die die Grenzen unserer Utopien dauernd belastet werden.
Durch die Arbeit an klassischen, innovativen, modernistischen, in- und ausländischen Stücken bietet das Theater Novi život eine anders geartete Aufführngsenergie und durchbricht durch In- und Auslandsreisen die Grenzen theaterbezogener Vorurteile. Ab 1999 fungiert unser Theater als Initiator des weltweit einzigartigen Internationalen Festivals blinder und sehbehinderter Theatermacher: „BIT“.
Vojin Perić
Leiter
KAZALIŠTE SLIJEPIH I SLABOVIDNIH
„NOVI ŽIVOT“
Zagreb, Šenoina 32
Tel: + 385 1 48 12 502,
Fax: + 385 1 48 40 091