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Kroatischer Präsident kritisiert Bankenpolitik

Verfasst von Mario Kelava am 15. März 2008

Der kroatische Staatspräsident Stipe Mesić warnt bereits seit Jahren über die negative Entwicklung der Verschuldung öffentlicher Haushalte in Kroatien. Im Zusammenhang mit einem weiter steigenden Außenhandelsbilanzdefizit mit einem Anteil von 43,8% an Exporten die durch Einfuhren gedeckt sind.

Diesbezüglich kritisierte Mesić auch anlässlich einer Rede vor einem internationalem Forum das Verhalten der Banken, die viel lieber Importgeschäfte als Projektfinanzierungen im Produktions- und Exportbereich. Solche Projekte wären langfristig viel wichtiger für die kroatische Wirtschaft.

Ein hohes Wirtschaftswachstum, Reduzierung des Zahlungsbilanzdefizits und der Auslandsverschuldung sind nicht möglich ohne die Konkurrenzfähigkeit der kroatischen Wirtschaft und eines höheren und schnelleren Wachstums der Exporte als der Importe.

Auch der hohe Kurs der kroatischen Kuna gegenüber den ausländischen Währungen sorgt in einigen Wirtschaftszweigen für Besorgnisse, insbesondere in der Industrie und der Exporteure.

Der Präsident würde gern glauben wollen, dass die kroatische Nationalbank die kommenden Aufgaben lösen kann, insbesondere die Exporteure und die Touristik Dienstleister.

Am Ende seiner Rede fügte er noch hinzu, dass es zur Lösung der anstehenden Aufgaben einer besser abgestimmten Fiskal- und Geldpolitik erfordert. Damit könnte man den Trend der Verschuldung un der Inflation stoppen. Außerdem sei der Beitritt in die EU kein Problemlöser, sondern vielmehr eine Möglichkeit sich dann besser entwickeln zu können, vorausgesetzt Kroatien erledigt seine Hausaufgaben im Vorfeld.

5 Antworten zu “Kroatischer Präsident kritisiert Bankenpolitik”

  1. Robert sagte

    Anlaß genug einen Blick in das CIA-Worldfactbook zu werfen (mir sind die 43,8% zu wenig) – alle Angaben in Mrd. US-Dollar für Kroatien, 2007 (Angaben in Klammer für SLO als Vergleich):

    * Bruttoinlandsprodukt, nominell: 51,0 (44,5)
    * Export: 12,1 (28)
    * Import: 25,8 (30)
    ergibt Export/Import: 47% (93%)
    * Verschuldung, extern: 42 (40)
    * Verschuldung, öffentliche Hand: 45% BIP (26%)
    * Direkt foreign investment: 18 (9)

    Noch ein Gedanke: Teure Kuna – gut für Tourismuseinnahmen (die aber die Lücke zwischen Export und Import nicht ganz schließen). Billige Kuna – gut für den Export.

    Vielleicht deutet das ja auf eine Devalvierung der Währung im Herbst nach der Tourismussaison hin. Na?

  2. Florian sagte

    Eine Devaluierung der Kuna würde die ohnehin schon hohe Inflationsrate von 5,7% weiter steigern.
    Die Lebenshaltungskosten der privaten Haushalte sind durch hohe Energie- und Lebensmittelpreise noch stärker von der Preissteigerung betroffen (der EZB-Inflationsindex bewertet priv. Lebenshaltungskosten chronisch zu tief).

    Weiterhin stehen die Vorzeichen im Euroraum auf eine Verschärfung der Inflation. (Lebensmittel- und Energiepreise ziehen weiter an, Tendenz zur EZB-Zinsstabilität bzw. sogar evtl. Zinssenkung, sicher keine Zinserhöhung).

    Eine Inflationsrate jenseits von 6% Prozent macht sich nicht in der entscheidenen Phase zu EU-Beitritt. Die EU mag keine schmelzenden Währrungen und holt sie sich ungern ins Boot.

    Von einer Abwertung der Kuna sollte Kroatien besser die Finger lassen.

  3. Robert sagte

    Dann frag ich mich nur, wie Kroatien die negative Leistungsbilanz auf Dauer stemmen will – das Leistungsbilanzsaldo beträgt jährlich mehr als 7 % – das sieht vielleicht nicht besorgniserregend aus, kann man sicher mit Privatisierungseinnahmen (FDI) ausgleichen, oder? Es ist aber wahr, daß das makroökonomische Bild Kroatiens sehr unterschiedlich dargestellt wird: The IMF paper highlighted acute imbalances in Croatia, which has a higher debt level as a percentage of GDP, and a higher current account deficit, than the East Asian average before that region’s 1997 crisis, despite achieving slower GDP growth, 4.8 per cent in 2006 [and] with the highest external-debt-to-GDP ratio of any non-EU country in Europe. Overall external debt rose from 30 per cent of GDP 10 years ago to 85 per cent last year. Sicher, diejenigen die das schwärzeste Bild malen haben nicht immer Recht… aber welches Rezept gegen die schwache Handelsbilanz gibt es denn sonst?

  4. Florian sagte

    Organisches Wachstum auf betriebswirtschaftlicher Ebene der Exporteure. Keine Notenbank kann die Auftragsbücher voll zaubern. Die deutschen Exporte trotz währungspolitisch extrem ungünstigen Verhältnissen zeigen die Notwendigkeit von realem Wachstum im globalen Wettbewerb. Der Griff zur Droge “billige Kredite” –>Inflation, wie ihn die US-Fed betreibt, verpufft schnell und verschlimmert die Erholungschancen langfristig.

    Zu viele Währungshüter leben in der “Ich wünsch mir, dass es so wäre”-Welt. Zum Glück lebt die EZB in der “So ist es aber”-Welt.

  5. Robert sagte

    Meine obige Frage ist ja keine Kritik an der Kroatischen Nationalbank und deren Wechselkursphilosophie. Ich wünschte mir auch, daß Bemühungen auf breiter Front die Lücke zwischen Export und Import verringern könnten… keine Frage! Viele halten aber die Kuna als überbewertet, und es ist die Frage ob und wann der Zeitpunkt kommt, daß jemand en gros geliehene Kuna in Euros tauscht und die Nationalbank in die Bredouille bringt. (Dieser jemand wurde auch für die Asienkrise verantwortlich gemacht.) Und das wäre irgendwie gar nicht schön…
    Nur darüber mach ich mir ein paar kleine Gedanken ;) Wir werden sehen…

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